Ich bin in den letzten Postings vor allem auf den betriebswirtschaftlichen Aspekt von Risko eingegangen, und wie dieser einerseits die Bildung und Abhängigkeiten von Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen zu den Unternehmern und Unternehmerinnen determiniert, und andererseits mit welcher sozialen Brutalität die Dialektik des Risikos als Ursache und/oder Wirkung in diesen Beziehungen zum Tragen kommen kann. Es mag paradox erscheinen, dass ich mich dann schlussendlich Dirk Baeckers Empfehlung anschließe, das Risiko (das Unternehmertum) wieder in die Organisation einzuführen, obwohl diese doch ursprünglich ausgezogen war, Risiko zu absorbieren. Manchen mag das zu weit gehen, mir ist es im Grunde noch nicht weit genug:
Die Wiedereinführung von Risiko in Unternehmen ist nur die logische Folgerung aus der Veränderung des Feldes in dem sie operieren - der Gesellschaft, genauer dem ökonomischen Subsystem. Meinem Erachten nach verändert sich die Bedeutung von Risiko gerade von einem Bestandteil zu einer (Vor)Bedingung von Handeln. Einer von zwei Gründen, denen ich dies maßgeblich zuschreibe ist das Eindringen ökonomischer Realitäten in strukturelle Gesetzmäßigkeiten. Man könnte mit Talcott Parsons sagen, dass durch die verstärkte Interpenetration des Subsystems Ökonomie in die umliegenden Subsysteme des Sozialen Systems (Politik, Kultur, Normen) dieses zu einem unverhältnismäßig hohem Maße Bestandteile der Ökonomie enthält. Dieses ökonomisch überlagerte Soziale System interpenetriert nun das strukturerhaltende System und wirkt somit auf Organismus und Persönlichkeit in ungewohnt hohem Maße ein (zum besseren Verständnis siehe das AGIL Schema Talcott Parsons). Ohne jetzt auf die Gründe dieser Überlagerung näher einzugehen, werfen wir doch kurz einen Blick auf die Wirklichkeit des ökonomischen Systems in (post)modernen Gesellschaften.
Die Determinanten hier sind Gewinn, Konkurrenz, Marktlogik. Jedem dieser Elemente immanent ist Risiko: Je höher das Risiko, desto mehr Gewinn, je besser die Routinen zur Vermeidung oder Externalisierung von Risiko, desto konkurrenzfähiger (hier geht es ja um den Vorsprung zu den anderen), je konkurrenzfähiger, desto höher der Marktanteil, den Rest besorgt die Marktlogik (und arme Betriebs- und Volkswirte auf der ganzen Welt lernen, dass das gut so ist ...).
Ich bin also der Meinung, dass wir es mit der Wiedereinführung von Risiko in die Gesellschaft zu tun haben (zu deren wichtigen Aufgaben und Entstehungsgründen die Absorbtion von Risiko - und somit Reduktion von Komplexität - von Anbeginn der einfachsten Gesellschaftsformen zählte). Nun ist es interpenetrierenden Systemen eigen, dass übermässige Betonungen einzelner Elemente selbstverstärkend sind (die Wirkung auf angrenzende - vor allem mit Parsons übergeordnete - Systeme wird von diesen ja wieder an alle umliegenden Systeme weitergegeben, somit auch auf das Subsystem, das den Ursprung der Überlagerung bildet). Es scheint schwierig, dem mit altbekannten Routinen entgegenwirken zu können.
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